Wo regionale Ernährung beginnt

Erzeugung & Anbau in Karlsruhe und der Region

Was auf Äckern, Feldern, in Gärtnereien und auf Höfen wächst, bildet die Grundlage regionaler Versorgung.
Von Boden aus gedacht

Was regional wachsen kann, prägt unsere Ernährung

Landwirtschaft richtet sich nicht allein danach, was Menschen gerne essen würden. Böden, Witterung, Jahreszeiten, betriebliche Erfahrungen und verfügbare Arbeitskraft beeinflussen, welche Kulturen an einem Standort sinnvoll angebaut werden können.

Auch Anbauentscheidungen entstehen nicht von heute auf morgen. Neue Kulturen müssen in Fruchtfolgen und Betriebsabläufe passen, erprobt werden und für landwirtschaftliche Betriebe eine verlässliche Perspektive bieten.

Regional und Bio sind nicht dasselbe

Regional beschreibt, wo ein Lebensmittel erzeugt wurde und welche Wege es bis zu uns zurücklegt.

Bio beschreibt, nach welchen Regeln und Grundsätzen es angebaut und verarbeitet wurde.

Für eine starke Bio-Region gehört beides zusammen: ökologisch erzeugte Lebensmittel und regionale Beziehungen, durch die diese Produkte sichtbar, verfügbar und nutzbar werden. 

Was in der Region wächst

Vielfalt, die unsere Landwirtschaft prägt

Die Landwirtschaft in Karlsruhe und der Region ist vielfältig. Getreide und Kartoffeln, Gemüse und Kräuter sowie Obst, Wein und weitere Dauerkulturen prägen unterschiedliche Landschaften und Betriebe. Welche Kulturen angebaut werden, hängt von den jeweiligen Standorten, betrieblichen Schwerpunkten und gewachsenen Erfahrungen ab.

Die folgenden Bereiche geben einen Einblick in diese etablierte Vielfalt – ohne den Anspruch, den regionalen Anbau vollständig abzubilden. 

Getreide & Ackerfrüchte

Getreide und weitere Feldfrüchte bilden eine wichtige Grundlage der regionalen Landwirtschaft. Welche Kulturen angebaut werden, hängt unter anderem von Standort, Fruchtfolge, betrieblicher Ausrichtung und späterer Verwendung ab. 

Gemüse, Kräuter & Sonderkulturen

Gemüse und Kräuter machen regionale Saison besonders unmittelbar erlebbar. Ihre Verfügbarkeit verändert sich im Jahreslauf und zeigt, wie eng Anbau, Erntezeit und Speiseplan miteinander verbunden sind. 

Obst, Streuobst & Dauerkulturen

Obstanlagen, Streuobstwiesen, Wein und weitere Dauerkulturen prägen Teile des regionalen Umfelds. Sie stehen zugleich für langfristige Bewirtschaftung, gewachsene Kulturlandschaften und saisonale Vielfalt. 

Neue Kulturen für die Region

Hülsenfrüchte bringen neue Vielfalt auf den Acker

insen, Kichererbsen, Platterbsen, Trockenbohnen und andere Hülsenfrüchte gehören bislang noch nicht selbstverständlich zum landwirtschaftlichen Bild der Region. Während für Getreide, Kartoffeln oder Gemüse auf vielen Betrieben langjährige Erfahrungen und etablierte Abläufe bestehen, ist der Anbau von Hülsenfrüchten häufig noch mit offenen Fragen und neuen Herausforderungen verbunden.

Gerade deshalb sind der Austausch und das gemeinsame Lernen so wichtig. Durch die Vernetzungsarbeit von Sandra Schmidt, der Bio-Wertschöpfungsmanagerin, kommen Landwirt:innen zusammen, teilen ihre bisherigen Erfahrungen und beschäftigen sich gemeinsam mit geeigneten Kulturen, Anbaumethoden und regionalen Bedingungen.

Erfahrungen auf dem Feld sammeln

Feldrundfahrten und Praxisveranstaltungen machen unterschiedliche Kulturen unmittelbar erlebbar. Auf dem Betrieb von Frank Bäuerle in Wiernsheim können beispielsweise Anbauerfahrungen mit Linsen, Kichererbsen, Platterbsen, Trockenbohnen und Hirse betrachtet und miteinander diskutiert werden.

So wird sichtbar, welche Pflanzen sich unter regionalen Bedingungen bewähren, welche Herausforderungen auftreten und welches Wissen für weitere Anbauversuche hilfreich ist. 

Wissen miteinander teilen

Wenn sich Landwirt über Sorten, Aussaat, Pflege, Ernte und Verarbeitung austauschen, müssen nicht alle Betriebe dieselben Erfahrungen von Grund auf neu sammeln. Das vorhandene Wissen kann weitergegeben, gemeinsam eingeordnet und durch neue Praxiserfahrungen ergänzt werden.

Auch Veranstaltungen wie der Karlsruher Ernährungsgipfel greifen Hülsenfrüchte auf und bringen Perspektiven aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Küche, Wissenschaft und Stadtgesellschaft zusammen.

Vom Anbau bis auf den Teller denken

Damit mehr Hülsenfrüchte in der Region angebaut werden, braucht es auch Wissen darüber, wie sie verarbeitet und verwendet werden können. In der WierPro-Werkstatt sollen Kochkurse zeigen, welche vielfältigen Gerichte aus regionalen Hülsenfrüchten entstehen können.

So werden Anbau und Ernährungspraxis miteinander verbunden: Erfahrungen vom Feld treffen auf Verarbeitung, Küchenwissen und neue Möglichkeiten für eine stärker pflanzenbetonte regionale Ernährung.

Der Hülsenfrüchteanbau wächst in der Region nicht allein durch einzelne Versuche, sondern durch Austausch, praktische Erprobung und die Verbindung von Landwirtschaft und Küche.

Verarbeiten, erproben, weitergeben

WierPro macht regionale Hülsenfrüchte küchentauglich

In der WierPro Werkstatt in Wiernsheim entsteht eine Verarbeitungs- und Bildungsstätte für Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Hirse und weitere regionale Proteinpflanzen. Die Erzeugnisse sollen dort so vorbereitet und verarbeitet werden, dass Großküchen, Verarbeitungsbetriebe und private Haushalte sie einfacher verwenden können.

In der Projektküche werden Rezepturen erprobt und Erfahrungen aus der Verarbeitung gesammelt. Kochkurse und Bildungsangebote machen anschließend ganz praktisch sichtbar, wie vielseitig Hülsenfrüchte eingesetzt werden können – vom herzhaften Hauptgericht bis zur süßen Nachspeise.

So verbindet WierPro den regionalen Anbau mit einer entscheidenden nächsten Frage: Wie wird aus der Ernte ein Produkt, das im Küchenalltag wirklich ankommt?

FoodCircle - Borlotti Bohnen im Topf

Landwirtschaft in der Region

Höfe und Betriebe prägen die Vielfalt vor Ort

Regionale Landwirtschaft ist so unterschiedlich wie die Standorte, Kulturen und Menschen dahinter. Manche Betriebe bauen Getreide oder Gemüse an, andere bewirtschaften Obstflächen, Weinberge oder arbeiten mit besonderen Kulturen und neuen Anbauversuchen.

Im FoodCircle-Netzwerk werden landwirtschaftliche Betriebe und Erzeuger aus Karlsruhe und der Region sichtbar. Ihre Profile geben Einblicke in Produkte, Bewirtschaftung und mögliche Anknüpfungspunkte für regionale Zusammenarbeit. 

Biolandhof Ritz

Handel & regionale Vermarktung, Landwirtschaft & Erzeugung
Ort: Linkenheim-Hochstetten
Der Biohof Ritz in Linkenheim-Hochstetten baut seit mehreren Generationen Bio-Gemüse, Spargel und Kartoffeln an. Ergänzt wird der Familienbetrieb durch Getreide, Streuobst und Bio-Rinder in Mutterkuhhaltung. Ein Großteil der eigenen Erzeugnisse wird direkt im Hofladen vermarktet – für kurze Wege und persönlichen Kontakt.

Weingut Vinçon-Zerrer

Landwirtschaft & Erzeugung
Ort: Oberderdingen-Großvillars
Das Familienweingut Vinçon-Zerrer in Oberderdingen-Großvillars bewirtschaftet seine Weinberge biologisch und baut die Trauben im eigenen Keller zu veganen, spontanvergorenen Weinen aus. Handarbeit, naturnahe Bewirtschaftung und schonende Verarbeitung verbinden hier Weinbau und traditionelles Kellerhandwerk mit einer eigenständigen regionalen Weinkultur.

Biolandhof Petrik

Landwirtschaft & Erzeugung
Ort: Pfinztal-Berghausen
Der Biolandhof Petrik in Pfinztal verbindet vielfältigen Gemüse-, Kartoffel- und Ackerbau mit ökologischer Kreislaufwirtschaft und artgerechter Tierhaltung. Über Hofladen, Wochenmarkt sowie regionale Bioläden und Gastronomiebetriebe gelangen die eigenen Erzeugnisse auf kurzen Wegen zu den Menschen in Karlsruhe und der Region.

Regionalen Anbau weiterdenken

Wie aus regionalem Anbau regionale Ernährung wird

Was auf den Feldern und Höfen der Region wächst, ist der Ausgangspunkt. Damit daraus eine tragfähige regionale Versorgung entsteht, müssen Erzeugung, Verarbeitung, Küchenpraxis und saisonale Verwendung zusammenspielen. 

Bio-Wertschöpfung verstehen

 Welche Stationen und Verbindungen braucht es, damit regionale Produkte verarbeitet, verteilt und dauerhaft genutzt werden können? 

Küchen & Kantinen

Was benötigen Großküchen und Gemeinschaftsverpflegung, damit regionale Lebensmittel zuverlässig im Küchenalltag eingesetzt werden können? 

Saison & Rezepte

Was ist zu welcher Jahreszeit verfügbar – und wie lässt sich die Vielfalt der Region praktisch auf den Teller bringen?